Sonntag, 25. Juni 2006

Farbenle(e)hre

Was war das denn gerade? Auf gar keinen Fall war es ein Fußballspiel. Gegen das, was da eben zwischen Portugal und Holland geschehen ist, wirkt ein herzhaftes Eishockeyspiel wie Kindergeburtstag.
Eine richtig zünftige Massenschlägerei hätte noch gefehlt, um das Desaster abzurunden. Die Nacht ist noch jung, und vielleicht holen das die Fans jetzt noch im Anschluss stellvertretend für ihre Mannschaften nach, in einer Polonaise der Gewalt die Nürnberger Innenstadt in Schutt und Asche legend.
Für diese Vorstellung müsste die FIFA eigentlich die Portugiesen nachträglich nach Hause schicken. Die Engländer könnten dann am Freitag 90 Minuten alleine auf dem Platz herumtraben, und würden sich nach ihrer Vorstellung heute wahrscheinlich selbst mit 0:2 rasieren.

Na dann mal gute Nacht allerseits.

Samstag, 24. Juni 2006

Deutungshoheit

Man lese als Beispiel diesen Spiegel-Artikel über die geplante Streichung von 5000 Arbeitsplätzen im Allianz-Konzern. In dem Bewußtsein um die Macht wohl gewählter Wort vergleiche man die verschiedenen Bezeichnungen:

Michael Sommer, Vorsitzender des DGB, bezeichne man als "Boss", mittlerweile eine gängige Beschreibung für Gewerkschaftsvorsitzende. Mit dem Begriff "Boss" kann man wunderbar implizieren, das bewußter Herr Sommer patriarchisch und nach eigenem Gutdünken seine Organisation führt (will man noch etwas mehr Amateurcharakter hervorrufen, kann man für den Begriff "Organisation" ersatzweise auch "Verein" gebrauchen).

Auf Seiten seiner Adressaten, der Allianz AG, nenne man am besten keine Namen, sondern benutze den vagen Begriff "die Manager". Das hat sowas Modernes, Funktionelles, beinahe schon Wissenschaftliches. Das diese Manager in ihrer Funktion und Arbeitsweise viel mehr an ursprüngliche Bosse erinnern, haben wir also schon galant ausgemerzt.

Um der Kritik von Hr. Sommer noch weiter die Substanz zu entziehen, benötigt man nach Möglichkeit etwas Emotionalität und eine anachronistische Begrifflichkeit. Die Emotionalität bedienen wir mit "Empörung", und im Zusammenhang mit Gewerkschaften passt das Wort "Klassenkampf" zum Glück fast immer hervorragend. "Klassenkampf", das hat was von Arbeiterkampfbund, großen Fabriken, Bergwerken, dreckiger Arbeit, roten Fahnen, Ernst Thälmann und Weimarer Republik, heute sind wir doch so viel weiter.

Zugegeben, sich auf Begriffe wie "Vaterland" zu stützen, ist nun auch nicht sehr geschickt von Hr. Sommer, aber Nationalstolz wird derzeit ebenso gerne von der Politik rauf und runter zitiert.

Was vom Text noch übrig bleibt? Leider nur die Fakten, aber die sind ja eigentlich langweilig: die Allianz AG macht Gewinne im Milliardenbereich und streicht auf der anderen Seite 5000 Arbeitsplätze in der Absicht, nächstes Jahr noch mehr Gewinne zu machen. Hinzu kommt noch die geplante Halbierung der Körperschaftssteuer für Unternehmen, und das gerade jetzt, wo Deutschland als einziger EU-Staat schon wieder nicht in der Lage ist, die Neuverschuldungshöchstgrenze nach EU-Abkommen einzuhalten, zum 4. oder 5.(?) Jahr in Folge.
Ganz so unrecht hat Hr. Sommer gar nicht, wenn er die Frage nach nationaler Verantwortung in den Raum stellt: im letzten Quartalsbericht der Allianz ist nachzulesen, das man eine Rechtsformänderung anstrebt und bald als Societas Europeas firmieren wird. Damit ist es unter anderem wesentlich leichter, den Hauptsitz in ein beliebiges Mitgliedsland der EU zu verlegen.

Und mir stellt sich die Frage, was jetzt bedenklicher ist:
5000 Arbeitsplätze weniger, zwar nicht unbedingt Entlassungen, aber zumindest in naher Zukunft 5000 Möglichkeiten weniger für Arbeitslose und/oder Jugendliche, einen Arbeitsplatz zu finden, und 5000 Einzahler in die gesetzlichen Versicherungssysteme weniger...
oder die Auseinandersetzung mit vielleicht doch nicht so anachronistischen Begriffen.

Ich tendiere dazu, ersteres bedenklicher einzuschätzen, aber ich bin ja auch ein "hoffnungsloser Sozialromantiker"...

Stoßgebet

Zephir, Zephyros, Quetzalcoatl, Vayu, Tawhiri, Iupiter, wie man dich auch immer nennen mag:

Danke, das die Winde bis jetzt günstig stehen! Nicht das kleinste Wölkchen abgefackelter Fischschuppen hat sich bis jetzt in meine Wohnung verirrt.

Nur noch 4 Tage so weiter, und ich lasse mich zu angemessenen Opfergaben überreden, gegen den Wind pinkeln oder sowas in der Art vielleicht.

Donnerstag, 22. Juni 2006

Enemy spotted

Die Aufbauarbeiten sind im vollen Gang, erwartungsgemäß hat sich die Division "Tarnen, täuschen, vernebeln und ausräuchern" sehr vorteilhaft in Stellung gebracht. Mit ersten Geruchsattacken ist aber dem morgigen Nachmittag zu rechnen...

hering1

Treffend finde ich auch die Grundfarbe des Banners: den allergünstigsten Wind vorausgesetzt, sehen meine Augen ab dem späten Freitagabend genauso aus.

Der Bäcker am Eck wollte mir die Situation mit den Worten "Wenn es dann so nach Fisch riecht, hast du wenigstens das Gefühl, das sich 20 Frauen in deiner Wohnung aufhalten" schönreden, allerdings roch noch nicht einmal eine Frau bisher so nach Fisch, und gleich gar nicht so verbrannt.

Alles wird gut, irgendwie.

Dienstag, 20. Juni 2006

Partyalarm

Verlasse ich heute vormittag die Wohnung, sehe ich doch glatt, wie ringsherum wieder diese Buden aufgebaut werden. Die Kneipe gegenüber hat sich den Bürgersteig inklusive Bordsteinkante für eine Woche reservieren lassen. Da blitzt es mir durchs Hirn: scheisse, das Jahr ist schon wieder rum und die unsägliche Kärwa steht vor der Tür. Wie ich mich doch freue. Nein herrlich, meine Wohnung geht um 3 Hausseiten: zur Schlaf- und Wohnzimmerseite höre ich wieder jede Nacht die Jugendpartyzone mit Auto-Scooter, Schiessbude und ähnlichem Gedöns; zur Bad- und Gästezimmerseite der Hinterhof der nächsten Kneipe, vollgerammt mit Bierbänken und im hintersten Winkel mit Bühne für die schlechtesten Coverbands_wo_gibt ausgestattet; nur zur Stirnseite raus keine Lärmverschmutzung, dafür den Qualm der Heringsbraterei immer in der Nase und in den tränenden Augen.

Nur ganz nebenbei verschwinden in der Kärwa-Woche an die 60 Parkplätze unter der Auto-Scooter-Fläche, den Heringsbrater-, Schiess- und Schokofrüchtebuden. Einmal das Auto bewegen heißt dann: raus aus der Stadt zu den p+r Parkplätzen fahren und mit den Öffentlichen wieder nach Hause kommen. Alleine die Damen und Herren mit dem Knöllchenblock freut's, die waren heute schon frisch aufmunitioniert und mit zufriedenem Gesichtsausdruck in den umliegenden Strassen unterwegs.

Ich find's toll, noch dazu tobt ja bekanntlich die WM in Deutschland, so dass ich ruhigen Gewissens davon ausgehen kann, bereits nachmittags halb vier die ersten volltrunkenen Honks vor dem Haus anzutreffen. Vielleicht gibts ja wieder ein paar unterhaltsame Schlägereien wie bei der EM vor zwei Jahren. Und immer schön das Tor zur Strasse abschliessen, sonst wird uns der Hof zuuriniert, den Tip gaben mir meine Vermieter schon das erste Mal, als ich fassungslos den Aufbauarbeiten zusah. Die haben noch weit mehr Erfahrung mit sowas. Hätten sie mir mal gleich gesagt, das ich mitten in eine jährlich wiederkehrende Bierseligkeitszone ziehe, aber sie wollten halt auch ihre Wohnungen gerne vermietet haben.

Mitten in der Kärwa wohnen, das ist ganz großes Tennis.

Freitag, 16. Juni 2006

Farewell my friend

Uns ist kein Sein vergönnt. Wir sind nur Strom,
Wir fließen willig allen Formen ein:
Dem Tag, der Nacht, der Höhle und dem Dom,
Wir gehn hindurch, uns treibt der Durst nach Sein.

So füllen Form um Form wir ohne Rast,
Und keine wird zur Heimat uns, zum Glück, zur Not,
Stets sind wir unterwegs, stets sind wir zu Gast,
Uns ruft nicht Feld noch Pflug, uns wächst kein Brot.

Wir wissen nicht, wie Gott es mit uns meint,
Er spielt mit uns, dem Ton in seiner Hand,
Der stumm und bildsam ist, nicht lacht noch weint,
Der wohl geknetet wird, doch nie gebrannt.

Einmal zu Stein erstarren! Einmal dauern!
Danach ist unsre Sehnsucht ewig rege,
Und bleibt doch ewig nur ein banges Schauen,
Und wird doch nie zur Rast auf unsrem Wege.

Hermann Hesse - Klage


Ein ganz normaler Morgen, und ich hatte nicht das Gefühl oder eine Vorahnung, wie sehr sich das ändern würde, bis ich von Deinem Tod erfuhr. Kein anderer Tag in meinem Leben, an dem es mir so sehr den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Der gleiche Tag, an dem ich die unveränderliche Wahrheit anerkannte, während ich vor Deinem friedlich ruhenden Körper kniete.

Du warst mir ein Freund, ein Mentor und einer der wenigen Menschen, denen ich nie ein "Nein" zur Antwort geben konnte. Du hast immer heiß und gleißend hell gebrannt, und bist dabei viel zu früh verglüht.
Heute haben wir Dir die letzte Ehre erwiesen.

Im
Gedenken an:


Martin

1963 - 2006

Donnerstag, 8. Juni 2006

Sie ist unter uns

Angela Merkel kann jetzt auch mit der modernen Technik. Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke, was dann wohl noch als nächstes kommt: Newsletter, Mailinglisten oder gar ein eigenes Blog? Selbst die grauenhaftesten Befürchtungen werden denkbar. Vielleicht veröffentlicht sie in dem Videopodcast noch Episoden aus ihren Urlaubsvideos, und wir dürfen uns ansehen, wie sie mit Schorsch Dabbeljuh auf seiner Ranch am Lagerfeuer Marshmellows röstet, oder mit Ede in München am Hauptbahnhof in 10 Minuten ihren Flug beginnt, dank Transrapid.

Ach bitte, verschonen sie uns doch einfach, wenn wir Mediensuperstars hätten wählen wollen, dann hätten wir das wohl mit "Deutschland sucht den Superstar" tun können. Und jetzt raten sie mal, warum die Sendung nicht so dolle gelaufen ist...

Ich hätte ja nichts dagegen, wenn da wirklich Fr. Bundeskanzlerin ihrem Bedürfnis nachkommt, mehr Kontakt zum wählenden Volk zu gewinnen, aber wie die Kiste gelaufen ist, dürfte ziemlich klar sein:
Morgens halb zehn in Deutschland im Bundeskanzleramt, eine Horde von Imageberatern redet auf Fr. Bundeskanzlerin und ihren Pressesprecher ein, die öffentliche Wahrnehmung und so, kaum noch vorhanden. Klar, dieses globale Fußballturnier (hoffentlich hat sich der Kicker-Dachverband nicht auch diesen Begriff mit Copyright sichern lassen), dagegen kann man schlecht anstinken. Aber auch sonst, da war nicht viel los die letzte Zeit im Hause oberste Volksvertreterin. Ihr Vorgänger, ja, der hat sich auch schonmal ans arbeitende Volk herangeschmissen, ist mit Narrenkappe Bauhelm auf dem Kopf mitten unter die Holzmänner getreten. Aber so wirklich erfolgreich war das Konzept auch nicht. Tjo, wir haben dazugelernt. Und jetzt gibts ja auch dieses podcast-dingens. Damit könnten wir doch mal rumspielen, schliesslich kleidet in ihrem Fall ein Bauhelm nicht wirklich gut. Der Schorsch Dabbeljuh, der macht ja auch sowas, ein bisgen anders zwar, und vielleicht auch mehr an Agitation erinnernd, aber soweit wir das von hier beurteilen können, nicht gerade ohne Erfolg. Wir haben da mal eine kleine Chartanalyse vorbereitet, könnse mal kucken, wieviele Umfragepunkte ihnen das bringen würde...

via tagesschau.de

Mittwoch, 7. Juni 2006

Gib Schub, Rakete

Falls noch jemand Gegner für den gepflegten Ampelsprint sucht:

Dieser Polo (3gp, 318 KB) ist einen Versuch wert.

Die Eckdaten:

VW VR6 mit Biturbo-Aufladung, bei augenblicklich minimalem Ladedruck mit einer Leistung von 450 PS, bei maximalem Ladedruck ungefähr 600 PS.

Gewicht: 600 kg

Beschleunigung: von 0 auf 246 in 10,2 sec (quartermile)

Die Bildqualität ist mies, aber der Sound ist dafür umso beeindruckender.

Semantik für Fortgeschrittene

"Dann will ich mich mal beeilen, das ich nicht nass werde, bevor es zu regnen beginnt" sagte der Kollege und verabschiedete sich in seinen bitter nötigen Feierabend.

Dienstag, 6. Juni 2006

Klinkenputzer

Soeben stand ein Vertreter von "Alice" vor der Tür, der mir wieder wunder was über das Breitbandangebot erzählen wollte, das nur diese Firma zur Verfügung stellt, und das zu einem Preis, der natürlich von keinem der Konkurrenten unterboten werden könnte.

Wie ich sowas satt habe, das können sich die Damen und Herren Vertreter gar nicht vorstellen. Letztes Jahr erst hat Arcor so etwas wie eine denial of service attacke auf meine Klingel gestartet. Der erste Vertreter hat glücklicherweise schon aufgegeben, als ich ihm nur den Namen meines Providers genannt habe. Ziemlich beeindruckend, wie ihm dabei jeder Elan aus der Mimik gewichen ist. Der zweite Vertreter knapp eine Woche später war da schon etwas hartnäckiger, vielleicht war er ja auch vorgewarnt. Auf jeden Fall hat er mir dann auch etwas vorgeblubbert von wegen "ich würde viel zu viel bezahlen" und wäre "in den Vertrag gefesselt", was selbstredend bei Arcor natürlich nicht der Fall wäre, ist ja klar. Nichtsdestotrotz hatte ich auch ihn nach ca. 3 Minuten von meiner Fußmatte geputzt. Wieder eine Woche später kam dann die Ausgeburt von Hartnäckigkeit die Treppe heraufgeschlichen, gegen ihn musste ich mich dann schon geschlagene 5 Minuten zur Wehr setzen. Und trotz allem hat auch er sich dann getrollt.

Mir ist es sowieso unbegreiflich, mit welcher Bauernfanglogik diese Provider ihre Kunden aquirieren wollen. Bei mir muss nicht immer alles sagenhaft billig sein, und ich brauche auch nicht die monsterbreiteste Internetanbindung, die zur Zeit erhältlich ist, weil es a) nicht solche Unmengen an Daten gibt, die man sich aus dem Netz ziehen kann, wenn man dabei auf der legalen Seite bleiben will, und b) ab einer bestimmten Bandbreite sowieso die Downloadserver das limitierende Element sind. Mir ist es viel wichtiger, das meine Internetanbindung stabil und zuverlässig funktioniert, wann immer ich gerade online bin, Wartungsausfälle zu den ganz seltenen Ereignissen gehören und das es keine Probleme mit der Abrechnung gibt. Ob ich dafür dann mal 5 Euro mehr bezahle als beim billigsten Anbieter, das ist mir nun wirklich herzlich egal.

Arcor hat also 3 Vertreter an meiner Wohnungstür aufgearbeitet, mal sehen, wie schnell Alice zur Einsicht kommt. Ich persönlich hoffe ja, dass der eine Versuch ausreichend war.

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e-Post an: captain|_|coma|at|hotmail|dot|com

Vigilanzkontrolle

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Zuletzt aktualisiert: 5. Aug, 15:26

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